Blog

home

Follow this blog on
Twitter and Instagram

Interview mit kinkster Max

“Ich habe das Schloss zugedrückt und mich für ein anderes Leben entschieden”

veröffentlicht am 15, Oktober 2020

©

Beschreibe bitte einmal, welche persönlichen Fetische und Kinks du hast?
Zu meinen persönlichen Fetisch gehört es, Rubber und Leder zu tragen, nicht nur in Sessions, sondern auch alleine für mich. Fetisch symbolisiert für mich ein Teil meines Ichs.
Die Fetischkleidung erzählt zudem Einiges, es entstehen schnell Verknüpfungen in den Köpfen anderer, bei Rubber noch mehr, als bei Leder. Die sexuelle Verknüpfung ist Fluch und Segen zugleich, es lassen sich gewisse Vorlieben erahnen und sie bringen wohl auch sexualisierte Vorurteile mit sich, wenn man selbst damit nichts am Hut hat. Es erregt mich natürlich sexuell und gibt mir zudem absolute Zufriedenheit, welche ich in meinem Sklavensein auslebe.
Das Fetisch-Ausleben als Sklave hat viele Facetten und ich habe eventuell eine sehr ausgeprägte gewählt, wofür oft Verständnis fehlt. Neben der sexuellen Hingabe an Tops zur freien Verfügung, liebe ich es, mich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen, welche mir selbst nicht einmal gefallen müssen. Es ist für mich Befriedigung, in Gear die Vorstellungen andere umzusetzen und deren Befriedigung in den Vordergrund zu stellen. Ich selbst stelle mich hinten an und sehe mich selbst eher als jemanden, der anderen das Leben erleichtern kann.

Du hast mal 16 Monate als Slave gelebt. Beschreibe doch bitte einmal, wie es dazu kam.
Nachdem ich mich mit ca. 17 Jahren zunehmend mit der Materie der sexuellen „Versklavung“ auseinandergesetzt habe und mich intensiv ausprobiert habe mit zahlreichen Typen, entwickelte sich der Drang, langfristig zu Dienen. Anfangs reichte es mir, mich Stundenweise benutzen zu lassen, über Outdor mit NS, Matsch und teils Gewaltanmutenden Sessions, bis hin zu „normalen“ Handlungen. Dieses alles reichte mir jedoch mit 22 Jahren nicht mehr, so suchte ich gezielt nach einer festen „Versklavung”. Es gab hier zahlreiche Enttäuschungen, Treffen aus denen sich nichts entwickelte. Anfangs verfolgte ich auch ein Gewisses Alter und optisches Profil, welches ich nach einiger Zeit der Suche überdacht habe und für mich klar hatte: als Sklave wirst du ausgewählt und nicht ich wähle aus. Dieser Gedanke führte dann zu erfolgreicheren Kontakten außerhalb meiner vorherig gewählten Altersklasse. Hürden gab es weiterhin, sei es aufgrund von Entfernung oder nicht übereinstimmender Chemie. Im Juni 2013, mit inzwischen 23 Jahren, sollte sich nun aber einiges ändern. Es kam zu einem Kontakt mit einer Person in einer lediglich 10 Minuten Autofahrt großen Entfernung. Nach knapp 4 Stunden Austausch im Chat und recht guter Übereinstimmung forderte er mich zu einer Musterung auf, um zu sehen, ob ich es auch ernst meinte. Aufgeregt folgte ich seiner Aufforderung, doch enttäuschte ihn zunächst, da ich in Jeans und Pulli erschien. Er gab mir die Chance, innerhalb von 30 Minuten erneut zu erscheinen und es richtig zu machen. Dieser Chance kam ich nach und trat geledert zur Musterung vor. Er beschaute mich und taste mich ab, im Anschluss der körperlichen Musterung führten wir ein 2-stündiges intensives Gespräch über eine mögliche Versklavung und deren Auswirkungen. Er war sich sicher, dass er das wollte. Für mich gab es 24 Stunden Bedenkzeit. Genau 24 Stunden später erschien er bei mir in der Wohnung, zog mir die Hose runter und legte mir einen KG an, das Schloss jedoch blieb offen. Nun hatte ich die Wahl: mache ich weiter wie gewohnt oder verschließe ich das Schloss und ändere sofort mein bisheriges Leben. Ich habe das Schloss zugedrückt und mich für ein anderes Leben entschieden. Er vermittelte mir Sicherheit und ich vertraute ihm, obwohl ich ihn eigentlich nicht kannte. Es erregte mich zu wissen, das nun viele Änderungen auf ein Schlag kommen würden.

Wie sah denn dein Alltag aus in der Phase?
Zunehmend übernahm er die Kontrolle über mein Leben; Chatverläufe und Handyverläufe wurden regelmäßig kontrolliert; Standortüberprüfungen nach Aufforderung sollten mich immer zu Hause halten. Die ersten Stunden als Sklaven erlebte ich gefesselt, in dieser Zeit sah er sich die Wohnung an und erwartete Änderungen. So wurde zunächst die Wohnung nach seinen Vorstellungen angepasst. Um seine Sexuellen Handlungen ausführen zu können, wurde das Schlafzimmer zum Spielraum innerhalb von wenigen Tagen umgestalten; Haken angebracht, der Boden abgedeckt. Mein Alltag änderte sich, mein Sklavensein ruhte lediglich für die Arbeitszeit. Da es für beide klar war, dass Gear dort nicht möglich ist, gab es für mich gebrauchte, schlichte Kleidung; eigene Kleidung war nicht mehr erwünscht. Unmittelbar nach Arbeitsende musste das Gear angelegt werden und ein Beweis als Foto geschickt werden. Täglich musste ich mich nun für Einkäufe, Arztbesuche etc. im Gear zeigen. Die Veränderung blieb im Wohnort nicht unbemerkt, in einer Kleinstadt fällt man so direkt auf. Mein Alltag spielte sich für 1,5 Jahre nur noch im Gear als Sklave ab, Kontakte zu Familie und Freunde wurden auf das Allernötigste reduziert und fanden nur mit vorheriger Erlaubnis statt. Das Sklavendasein nahm mein Leben zunehmend in die Hand, zu mir meist unbekannten Zeiten tauchte mein Top auf, um bedient zu werden oder seinen Frust an mir los zu werden. In den ersten Wochen verlief die Zeit noch nahezu zärtlich, mit der Zeit wurde sein Handeln immer gröber, so wurde ich immer wieder an mein Limit gebracht und mein Leben immer weiter beschränkt. Es erregte mich zunehmend, jede Beschränkung, jede Regel mehr fühlte sich nach Erfüllung an. Ich wusste, dass es die richtige Entscheidung war, mich darauf einzulassen und vermisste das Vorherige kaum. Es waren für mich sehr intensive 1,5 Jahre, welche mich an Grenzen gebracht und zugleich total erfüllt haben.

Und wie endete es?
Es war eine sehr intensive Zeit, welche mich im Anschluss in ein Loch fallen lies. Durch die Beendigung seinerseits aus gesundheitlichen Gründen musste ich zurück finden in ein Leben, welches ich wieder selbst in die Hand nehmen musste. Es hat mich Freunde gekostet. Familiär ist der Kontakt ebenso bis heute nur sehr begrenzt möglich, die Akzeptanz eines solchen Lebens ist leider nicht so gesellschaftsfähig und schon gar nicht in einem kleinen Ort. Doch jedes Ende hat einen Anfang, in diesem Fall in einer neuen Stadt. Sollte man mich fragen ob, es mir das Wert war, Freunde und Familie dadurch zu verlieren, die Antwort lautet: ja.

Welche Schwierigkeiten hat es in dieser Phase gegeben? Was hast du für dich gelernt?
Die Schwierigkeiten waren anfänglich da, es mussten Grenzen übergangen werden und ich musste mich zu dem Bekennen, was ich bin. Es war schwierig, Kontakte abzubrechen und sich einem wenig akzeptierten Leben zu widmen. Es gab immer Anfeindungen: „der Perverse“, „das ist doch krank“. Damit musste ich lernen, umzugehen und über den Dinge zu stehen. Es hat langfristig zu einem größeren Selbstbewusstsein geführt und zu einem erfüllenden Leben. Schwierigkeiten sind nur größere Herausforderungen, würde ich sagen.

Gibt es für dich immer noch Konflikte beim Ausleben deines Fetisches?
Beim Ausleben des Fetisches eckte man gesellschaftlich an, Blicke sagen vieles aus. Wenn man sich jedoch dazu bekennt und es nicht übertreibt bzw. über dem steht was man tut, kann man damit zurechtkommen. Ich würde auch sagen, dass es weniger Konflikte gibt, wenn man mit sich und seinem Fetisch im Reinen ist. Natürlich kommt es im Familiären weniger gut an, aber man kann es auch mal auf ein Minimum reduzieren. Zu einer einfachen Lederhose oder einem Hemd wird niemand etwas sagen.

Beschreibe einmal eine Erfahrung, die du besonders gut fandest in der Zeit
Eine besondere Erfahrung war für mich eine körperliche; zuvor hatte ich meinen Körper nie so intensiv wahrnehmen können. An einem Tag hat er mich ausgepeitscht, noch nie zuvor so stark, der Köper war gezeichnet von Striemen, die Haut brannte, ich war voller Adrenalin und total glücklich, meinen Körper in einem solchen Ausmaß zu spüren. Es erfüllte mich mit Stolz, einen gezeichneten Körper zu haben und ihm zufriedenstellend gedient zu haben,

Kannst du die Zeit beschreiben, wie es war, als du deinen Fetisch das erste Mal entdeckt hast?
Dass ich gewisse Fetische habe, habe ich recht früh entdeckt, lediglich bis zur genauen Bestimmung hat es etwas gedauert. Anfangs hatte ich „Glanzshorts“ im Fokus, diese habe ich bei vielen Mitschülern in der 8 Klasse gesehen und es hat mir sehr gefallen. Es dauerte, bis ich mir eigene zulegen konnte. Dieses weiche und glatte Material hatte mich aber nur kurze Zeit erobern können. Schnell hatte ich mehr Interesse an Sportswear, es gefiel mir, Typen darin zu sehen. Hier bemerkte ich aber, dass eigene Sportswear nicht dieselbe Befriedigung für mich herstellte; das Verlangen lag auf getragener Sportswear. Da ich selbst kein Kontakt zu Sport hatte, war es schwer, an so etwas heranzukommen. Es ergab sich aber einmal die Chance, da lagerte ein Koffer vom Fußball meines Cousins bei uns, hier habe ich mich dann böser Weise dran bedient und sehr viel Lust empfunden, durchgeschwitzte Sportswear zu tragen. Letztlich kam ich mit meiner Volljährigkeit zum heutigen Fetisch. Meine erste Lederhose war für mich ein Highlight und mit der Zeit kam immer mehr hinzu, was sich bis heute nicht geändert hat.

Wie möchtest du zukünftig weitermachen, was deinen Fetisch anbelangt? Was wünscht du dir?
Zukünftig möchte ich weiterhin meinen Fetisch in meinem Leben integrieren, vielleicht sogar noch mehr. Meiner Vorliebe, mich als Sklave anzubieten werde ich weiterhin nachkommen, ob es sich hierbei um eine feste Top- und Slave-Beziehung handeln muss, weiß ich nicht. Gerne würde ich mich als freien Sklaven anbieten. Hierzu sind bereits gewisse Ideen entwickelt und der Bedarf ist auf jeden Fall da. Um dieses anbieten zu können, muss ich selbst noch eigene Grenzen überschreiten, damit eine solche Dienstleistung funktionieren kann.

Danke für dieses Interview!

Wenn ihr Max kontaktieren wollt, schreibt dem Admin eine E-Mail, der sie dann weiterleiten wird.

(Interviewer: Michael)

Mehr Deutschsprachige Texte dieses Blogs

Mehr lesen→

home

Folgt diesem Blog auf
Twitter


One thought on “

Comments are closed.

Create your website with WordPress.com
Get started