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Interview mit Kinkster Nighty

“Die Rolle des Ponys oder Pferdes vervollständigt meine Persönlichkeit”

Veröffentlicht am 07. Januar 2021

© Nighty

Hallo Nighty, danke dass du dir Zeit nimmst für dieses Interview und, dass uns einen Einblick in das Pony-Play gibst. Zunächst möchte ich dich fragen: Was bedeutet es für dich, ein Pony zu sein. Wie fühlst du dich in solchen Situationen, wenn du die Rolle eines Ponys einnimmst?
Die Rolle des Ponys oder Pferdes vervollständigt meine Persönlichkeit. Ich sehe es als eine Art kleinen Urlaub von mir selbst, und abhängig von dem Szenario in dem ich spiele, kann es entweder sehr entspannend oder erotisch sein, da es eine hohe Bandbreite von Spielarten dabei gibt. Die Rollen, die ich einnehme, gehen von der eines mehr oder weniger realistischen Pferdes, in der ich das stolze Tier bin, das zusammen mit seinem Eigentümer in einer respektvollen und partnerschaftsähnlichen Beziehung (Dressur oder Wagen ziehen …, eben Dinge die man mit einem richtigen Pferd machen kann) spielt, hin zu mehr BDSM-lastigen Szenarios, in dem ich ein Mensch bin, der gekidnapped und dadurch dass er wie ein Pferd und ohne Rechte behandelt wird erniedrigt wird. Diese unterschiedlichen Spielarten bedienen verschiedene Aspekte meiner diversen Kinks und können von einem stolzen und würdevollen Ausdruck hin zu totaler Erniedrigung reichen. Es ist ein großer Vorteil von Ponyplay dass ich verschiedene Kinks in unterschiedlichen Szenarios in meinen Spielen kombinieren kann.

Und jenseits vom Ponyplay: Welche weiteren Fetische und Kinks hast du?
Hmm … es gibt da mehrere. Zusätzlich zu den offensichtlichen, wie Pony-Play und Rubber, habe ich ein paar recht weit verbreitete Kinks, wie Bondage (mehr mit Leder und Stahl als mit Seilen) und Leder. Das Spiel mit Keuschheit ist ein weiterer Hauptkink von mir, auch wenn dieser vor allem eine Fantasie spielt, da mein Alltag längere Keuschheitsphasen nicht erlaubt. Daneben drehen sich meine Kinks meistens um Outfits und Materialien. Reitbekleidung finde ich immer super, ich mag den Geruch von Leder und Rubber, und eigentlich alles rund um den Aspekt, kontrolliert zu werden, und in der jeweiligen Situation nicht die Verantwortung zu haben. Ich bin aber nicht devot, was mich etwas schwieriger zu handhaben macht, weil ich nicht so leicht nachgebe. Ich mag das Spiel, dabei zu etwas gebracht und gezähmt zu werden, was manchmal mit etwas Demütigung einher geht; das hängt aber vom Spielpartner ab, der Situation und der allgemeinen Stimmung. Ich entdecke ständig neue Dinge, wenn es dazu die Möglichkeit gibt; ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass es manchmal einen großen Unterschied gibt zwischen einem Fetisch in meiner Fantasie und der Realität, in der die Dinge manchmal zu schnell unangenehm werden. 🙂

© Nighty

Wenn du an Fetische und Kinks ganz generell denkst: Was bedeutet es für dich allgemein, deine Fetische und deine Kinks auszuleben?
Ich halte Fetisch für einen integralen Bestandteil meiner Persönlichkeit und meiner Sexualität. In den letzten Jahren habe ich herausgefunden, dass ich selbst nicht besonders sexuell bin im Sinne von reiner Penetration, sich aber ein großer Teil meiner Sexualität im Kopf abspielt und viel Kinky Zeug beinhaltet. Ich kann schönen Sex haben, ohne zu Kommen, wenn der richtige Fetisch mit dabei ist, oder ich eine großartige Fantasie in meinem Kopf habe. Zu bestimmten Zeiten sind manche Kinks präsenter als andere. Am Anfang fühlte ich mich auch ein bisschen unsicher wegen meiner Fetische, aber je mehr ich andere Kinkster und freundliche Menschen in der BDSM und Fetisch-Community kennenlernte, desto mehr dachte ich, dass es keinen Grund dafür gibt, sich für seine Kinks zu schämen, solange sie nicht andere verletzen (in einem nicht-konsensualen Sinne). Fetische sind etwas zutiefst erotisches für mich. Sie bereichern meine Sexualität und geben jedem sexuellen Abenteuer etwas mehr Schärfe gibt. Es ist großartig, mich fallen zu lassen und sie in jeder möglichen Form zu genießen!

Wenn du zurückdenkst an deine Kindheit und an frühe Erlebnisse: Kannst du dich erinnern, wie entdeckt hast, dass du Fetische hast?
Nicht genau. Ich denke, es entwickelte sich während meiner Pubertät. Ich fand immer die Mischung aus Mensch und Tierwesen spannend. Anthropomorphe Kreaturen wie Werwölfe oder den Minotaurus haben mich in der Zeit fasziniert; und damals wusste ich noch nicht einmal etwas von der Furry-Comunity. Sobald das Internet mir Bilder von Pony-, oder Dog-Playern lieferte, war ich sehr an dieser Spielart interessiert. Also ja, das Internet hat mich zu einem Pferd gemacht … also zumindest zu einem Teilzeit-Pferd.

© Nighty

Hast du dich, ganz persönlich, verändert, seit du deine Fetische auslebst?
Ich habe mich tatsächlich sehr verändert, seitdem ich Pony-Play mache. Davor war ich sehr schüchtern, zurückhaltend und unsicher. Ich war nicht sehr selbstbewusst und hatte ein recht geringes Selbstwertgefühl, auch weil ich Übergewichtig war und mich selbst nicht für eine attraktive Person hielt. Als ich mein Interesse am Pony-Play entdeckte, und damit anfing, erkannte ich, dass die Pferderolle mir die Motivation gab, an meiner Situation etwas zu ändern. Ich wollte ein starkes und elegantes Pferd sein. Deswegen habe ich Sport gemacht und Gewicht verloren. Das war ein großer Erfolg für mich und es gab mir eine Menge Selbstvertrauen. Freunde bemerkten, dass ich viel offener und selbstbewusster wurde, was mir auch in anderen Bereichen des Lebens half. Ich hörte damit auf, mich zu fragen, wie andere Leute mich wahrnehmen würden, was mir viel innere Freiheit gab, da ich aufhörte, mir Sorgen zu machen. Ich bin immer noch sehr zurückhaltend gegenüber meiner Umwelt, bezüglich Kinks (was bedeutet, dass ich nicht anderen nicht aufdränge, was ich tue) ich bin aber auch gleichzeitig offen wenn jemand nachfragt; dieses Maß an Selbstbewusstsein hätte ich nie erreicht, wenn ich nicht mit Pony-Play als Motivator angefangen hätte.

Wie sind deine Fetische mit deiner Sexualität verbunden?
Ich unterscheide zwischen Sexualität und Eros. Für mich ist Sexualität etwas, das meistens etwas mit Penetration und dem Austausch von Körperflüssigkeiten zu tun hat. Eros ist das kribbelige Gefühl, dass dich dazu bringt, erregt zu sein, weil du etwas interessantes siehst, fühlst oder riechst. Bei mir sind meine Fetische stark mit Letzterem verbunden. Ich kann wunderschöne erotische Spielsessions haben mit einem Partner, ohne jemals Sex zu haben oder zu kommen. Es geht mehr um die Gefühle und die Sinneseindrücke während eines Spiels, das für mich interessant ist. Manchmal werde ich nicht einmal hart, das macht es aber nicht weniger schön für mich. Daher sind meine Fetische ein integraler Bestandteil meiner Sexualität.

Spielt sich dein Fetisch auch in deinem Alltag ab?
Nicht wirklich. Ich versuche meine Kinks getrennt zu halten von meinem normalen Leben. Es ist wie zwei getrennte Welten und die will ich nicht vermischen. Natürlich gibt es kleine Dinge, wie wenn ich ein T-Shirt mit einem Pferdemotiv trage, aber darüber hinausgehend nichts weiter.

Welche Konflikte hattest du während deiner Entdeckungsreise deiner Fetische?
Bevor ich mit Pony-Play anfing, war ich sehr reserviert und hatte eine Menge Vorurteile gegenüber diesen seltsamen Fetisch-Leuten. Ich bin aufgewachsen mit Menschen, die der Meinung waren, dass Kink etwas Komisches oder Schlechtes wäre. Ich hatte große Probleme damit, mir selbst einzugestehen, dass ich bestimmte Kinks habe und auch noch heute ist es nicht einfach, über manche von ihnen zu sprechen. So hat es mich ein paar Jahre Zeit gekostet, bis ich in der Lage war, online mit ein paar Leuten in Kontakt zu treten, um herauszufinden, dass all meine Ängste und Vorurteile falsch waren. Ich habe nie zuvor offenere und reflektiertere Menschen getroffen; so stand ich über Jahre hinweg mir selbst im Weg und habe viel Zeit verloren und Spaß verpasst. Nur weil ich zu viel Angst hatte…

© Nighty

Bitte beschreibe einmal eine der besten und schönsten Erfahrungen, die du im Bereich Fetisch bisher hattest
Eine der besten Erfahrungen, die ich bisher hatte, war eine ziemlich anspruchsvolle. Es war Während einer Übung mit meiner Pony-Play-Trainerin (und Partnerin im echten Leben), in der wir ein bisschen Dressur spielen wollten. Es ist eigentlich etwas schwer zu beschreiben, was tatsächlich war, aber so wie submissive Menschen den Sub-Space kennen, versuche ich, in den Pony-Space zu gelangen. Wir hatten eine lange Vorbereitung. Ich rannte für 30-40 Minuten im Kreis um mich aufzuwärmen, bevor wir mit der eigentlichen Dressur anfingen. Damals wusste ich nicht, dass es der Plan meiner Trainerin war, dass so lange spielen, bis ich erschöpft aufgeben würde, und das war es dann auch, was sie tat. Wir haben über Stunden gespielt… Laufen geübt, Kommandos mit den Zügeln, und dazwischen diese mental anstrengenden Dressurübungen. Ich musste immer wieder im Kreis laufen, was mich dann auch immer weiter erschöpft hat. Nach einer Weile habe ich dann einfach nur noch existiert und vergaß ganz, wer ich war. Ich bin da nur noch langgetrottet, habe die Kommandos befolgt, und habe aufgehört zu denken (es ist für mich sehr schwer meinen Geist ruhen zu lassen). Es war eine sehr entspannende Erfahrung, und sie endete damit dass ich total verschwitzt und erschöpft war … aber auch extrem glücklich.

Nighty, danke für dieses Interview!

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(Interviewer: Michael)

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