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Interview mit Kinkster Safeandbound über “Mumifizierung”

Es macht mich nichts geiler, als ein hilfloser Blick aus einem mit Tape umwickelten Gesicht eines Subs, während er stöhnt

veröffentlicht am 11. Januar 2021

© Safeandbound

Hallo Safeandbound, schön dich für das Interview hier zu haben. Bitte beschreibe einmal, worum es allgemein bei der Mumifizierung geht?
Mumifizierungs-Sessions sind ein langer Prozess, deswegen nehme ich mir dafür Zeit und versuche, das Beste dabei rauszuholen. Ich überlege mir vorher genau, welche Art von Mumifizierung ich in einer Session machen werde, wie lange es dauern wird und stelle sicher, dass die mumifizierte Person in der Lage sein wird, so lange so zu bleiben.

Es gibt drei wichtige Phasen während einer Mumifizierung:

  • Das Verpacken, die Mumifizierung selbst
  • Der Spaß, also alles das, was man mit der mumifizierten Person macht
  • Das “After-care”, direkt nachdem man die Person wieder befreit

Eine Mumifizierungs-Session kann so lang sein, wie man es haben will. Das “Opfer” entscheidet, wie lang es sein wird. Normalerweise überlasse ich es der mumifizierten Person, dies zu entscheiden. Ich meine, ich kann ihn damit ärgern ihm zu sagen, dass ich ihn stundenlang so liegen lassen könnte, aber wenn ich merke, dass die Person sich nicht wohl fühlt, oder raus will, würde ich ihn nicht zwingen, so zu bleiben gegen seinen Willen.
Wie bei allem im Bondage, oder BDSM, geht es um Vertrauen zwischen den Personen, die am Spiel teilnehmen. Ich würde mich auch nicht von jemandem mumifizieren lassen, bei dem ich mich nicht wohl fühle, während er die Kontrolle über meinen Körper übernimmt.

Welche Vorbereitung triffst du für eine Mumifizierungs-Session?
Ich versuche entspannt und in einer guten Stimmung zu sein, mache ein bisschen Hintergrundmusik an und versuche, eine gute Unterhaltung mit der anderen Person zu haben, die mumifiziert werden soll. Wenn ich nervös bin, und ich bin manchmal SEHR nervös (besonders, wenn ich die jeweilige Person zum ersten Mal treffe), rauche ich einen Joint, um alles einfacher werden zu lassen.
Ich bereite all das Material, die Klarsichtfolie und das Klebeband und die Toys vor, und wir entscheiden, wie wir es machen, oder ich entscheide es, je nachdem wie submissiv das “Opfer” ist.

© Safeandbound

Wie interagierst du mit der anderen Person, bevor du die Session startest?
Ich fange nicht einfach so an. Ich mag es, vorher ein gutes Gespräch zu haben, bevor es los geht, so kann ich die andere Person besser kennenlernen, die ich in viele Lagen aus Plastikfolie und Klebeband einwickele, und kann mehr über seine Vorstellungen erfahren. Ich biete ihm etwas zu trinken an, oder auch meinen Joint, wenn er raucht, und versuche, ihn dazu zu bringen, dass er sich entspannt, wenn er es noch nicht ist. Je wohler sich die Person dir gegenüber fühlt, desto mehr Dinge kannst du mit ihm machen.

Was ist wichtig hinsichtlich der Qualität des Materials, das du benutzt?
Ich nutze verschieden Arten von Materialien: normales Klebeband, PVC-Klebeband, Verpackungs-Klebeband… Aber immer mache ich unter das Klebeband eine Lage Klarsichtfolie, damit die Haut und die Haare nicht verletzt werden. Die Qualität des Klebebandes ist wichtig für mich, aber nur wenn es darum geht, darauf zu achten, wie es am Ende aussieht. Zum Beispiel nehme ich für eine einfache Mumifizierung, von den Zehen bis zum Kopf, oder bis zum Hals, normales Klebeband, aber für detailiertere Sachen, mag ich eher das PVC-Klebeband, weil das sehr glatt aussieht. Aber am Ende ist es abhängig von jedem Einzelnen, wie er es gerne möchte. Jeder hat seine eigenen Präferenzen dabei.

Auf welche unterschiedliche Arten kann man Mumifizierung machen?
Ich denke, das hängt vom Material ab. Man kann Klebeband mit Seilen mixen, um es noch schwerer zu machen, sich bewegen zu können, oder man steckt die Mumie in einen Leder- oder Gummischlafsack, oder man nimmt nur Plastikfolie. Man kann auch Dinge hinzufügen wie Masken, Knebel, Halsbänder… Aber mein Lieblingstyp ist die klassische Plastikfolie-Klebeband-Kombination. Innerhalb dessen, wickele ich bin zu den Schultern, bis zum Hals, oder ich meine eine Ganzkörper-Mumifizierung mit Kopf. Aber unabhängig davon, welche Version ich auswähle, kriegen alle natürlich einen guten Klebeband-Knebel.

© Safeandbound

Machst du ein bestimmtes “After-care”?
Ich achte auf meine “Opfer” vom Beginn bis zum Ende der jeweiligen Session, weil es sehr wichtig ist, dass sich die Person gut fühlt während der ganzen Session. Nachdem ich die Person wieder befreut habe, gebe ich ihm ein para Handtücher oder Decken, damit er nicht friert, weil er nach der Session wahrscheinlich sehr verschwitzt sein wird; ich gebe ihm auch etwas Wasser zu trinken. Dann sehe ich nach, ob es seien Armen und Beinen gut geht und nichts weh tut, und wenn er ein guter Junge war, belohne ich ihn mit ein paar Umarmungen.

Was magst du persönlich am meisten an Mumifizierungen?
Ich liebe das Klebeband, wie alle meine Freunde und Follower wissen. Die Oberflächenstruktur, den Geruch, die Geräusche, die entstehen, wenn man jemanden verpackt, und wie effektiv es ist. Es ist auch sehr einfach, es zu machen, wenn man weiß, wie es geht, und eine der angenehmsten Wege, gefesselt zu werden, sehr ähnlich dazu, in einem Schlafsack zu sein … aber viel enger und heißer, meiner Meinung nach.

Welcher ist für dich der aufregendste Moment in einem Mumifizierungs-Prozess?
Ich liebe es, wenn das Verpacken des Körpers abgeschlossen ist, und es an der Zeit ist, den Mund zu verschließen und mein “Opfer” zu knebeln. Ich persönlich liebe es, die Augen sehen zu können, wenn der Rest des Gesichts und des Kopfes mit Klebeband eingewickelt ist. Es macht mich nichts geiler, als ein hilfloser Blick aus einem mit Tape umwickelten Gesicht eines Typen, während er stöhnt.

© Safeandbound

Welche Sicherheitsaspekte sind wichtig beim Mumifizierungs-Spiel?
Ich achte auf mein “Opfer” von Anfang bis Ende. Es ist sehr wichtig, sicherzustellen, dass die Person keine Angst bekommt, oder sich unwohl fühlt, wenn er ganz eingewickelt ist, sonst ruiniert das die Session. Es ist auch wichtig, dass man etwas Weiches zwischen die Knie und Knöchel packt, da es sonst sehr ungemütlich wird. Man muss auch darauf achten, dass das Klebeband eng anliegt, aber nicht so eng, dass dein “Opfer” nicht mehr atmen kann, sonst muss man aufhören, bevor man überhaupt angefangen hat, zu spielen. Ich mag es nicht, Klebeband zu verschwenden, oder, dass sich Leute unwohl fühlen. Natürlich sollte man auch ein Safeword haben, nur für den Fall.

Wie kann der Sub das Safeword sagen, wenn er geknebelt ist?
Ich habe ein bestimmtes Safeword, das einfach zu verstehen ist, auch wenn die Mumie geknebelt ist. Ich werde das Wort nicht sagen haha, aber ich kann versichern, es ist sehr leicht zu verstehen, und es ist nicht erlaubt, es in einem anderen Kontext, vor oder nach
der Session zu benutzen.

Welche Art von Spiel mit dem Sub magst du besonders? Ihn einfach liegen lassen? Kuscheln? Ärgern? Schmerz? Erniedrigendes?
Das hängt von der mumifizierten Person ab. Ich mag unterschiedliche Dinge. Ich mag es, ein bisschen fies zu sein, indem ich die Mumie etwas ärgere, oder ihn wichse, mit ihm Breathplay mache, seine Nippel quäle, seine Füße kitzele, wenn sie nicht verpackt sind, ihn mit meinen stinkenden Socken quäle, oder ich mache Face-Sitting. Ich habe auch viele Toys, vor deren Gebrauch ich nicht zurückschrecke. Ich mag aber auch kuscheln und küssen, kuscheln, bevor die Dinge intensiver und versauter werden. Was immer man macht, achte darauf, dass die Mumie auch ihren Spaß hat, denn darum geht es.
Auch der Sinnesentzug (Sensorische Deprivation) ist einer meiner liebsten Wege mit einer Mumie Spaß zu haben. Man setzt ihm eine Augenbinde auf, knebelt ihn, setzt ihm Kopfhörer auf, legt ein Paar benutzte Socken oder Unterwäsche über seine Nase, sein Körper ist ganz verpact und der Vibrationsstab ist auch eingeschaltet. Man kann ihn so liegen lassen, einfach wie ein Objekt, hilflos, all seinen Sinnen entzogen … Das ist so heiß!

© Safeandbound

Was magst du, wenn du selbst Sub in einer Mumifizierung bist? Die Enge, das Verlieren von Macht, dominiert zu werden, Berührungen intensiver zu spüren?
Ich bin nicht einfach zu fesseln, weil ich kein einfacher Sub bin und weil es mag, die volle Kontrolle über eine Situation zu haben, ist es für mich wichtig, der Person stark vertrauen zu können, wenn sie ich in Plastikfolie und Klebeband einwickelt. Aber wenn das der Fall ist, mag ich das Gefühl, eng eingewickelt zu werden, und es mir unmöglich ist, mich zu bewegen, oder sprechen zu können. Man fühlt sich so hilflos, wenn man alle Kontrolle einer anderen Person übergibt. Mumifizierung, wie auch Bondage insgesamt, ist etwas, das gefährlich sein kann, wenn man es falsch macht, aber auch viel Spaß machen, wenn man es richtig macht; also passt auf eure Mumie auf und respektiert die Limits.

Safeandbound, danke für dieses Interview!

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(Interviewer: Michael)

Mehr zum Thema:

Basic Facts: Mumifizierung

Was Leute daran mögen

  • Viele mögen die Aufgabe der Kontrolle einer Situation, das Gefühl der Hilflosigkeit (gegenüber einem verantwortungsvollen Dom)
  • Der Verlust der sexuellen Kontrolle.
  • Sinnesentzug, höhere Sensibilität von Empfindungen, das abgeschottet sein von der Außenwelt als das Gefühl eines Schutzraumes
  • Ein Gefühl der Erniedrigung, gerade für Personen, die das Dom/sub-Spiel mögen

Verschiedene Typen der Mumifizieung

© Safeandbound
  • Einzelne Bereiche: Nur etwa Beine, Arme, Oberkörper oder Unterkörper werden eingewickelt. Es geht hierbei um Einschränkung der Bewegungsmöglichkeit, bei gleichzeitig etwas sicherem Szenario als bei anderen Formen der Mumifizierung, während es möglich ist, die Sinneseindrücke trotzdem erleben zu können.
  • Teil-Mumifizierung: Vom Hals bis zu den Knöcheln; so ist die Atmung und Kommunikation unbeeinträchtigt, während dies durch einzelne Hilfsmittel, die Augenbinden und Knebel kurzzeitig trotzdem erreicht werden kann.
  • Komplett-Mumifizierung: Vom Kopf bis zu den Zehen (mit Atemlöchern), die gefährlichste Variante aber diejenige mit den stärksten Sinneseindrücken

Materialien für Mumifizierung

  • Klarsichtfolie
  • Klebeband
  • PVC-Klebeband
  • Industriefolie
  • Baumwollstoffe
  • Gips
  • Leder
  • Schlafsäcke (aus verschiedenen Materialien)

Hinweise für den Mumifizierungs-Prozess

  • Zuerst den Brustbereich mit Klarsichtfolie umwickeln und zwar diagonal über die Schultern über Kreuz. Im Brustraum ist es wichtig, dass der Sub tief einatmet, bevor die ersten Lagen drauf kommen, sodass sichergestellt ist, dass genug Raum für den Körper da ist, um zu atmen
  • Dann ebenso die Person in die Position bringen, in der das Spiel stattfinden soll, sich hinlegen lassen und dann die Beine umwickeln. Wichtig ist, zwischen Knien und Knöcheln ein Stück Stoff zu legen, damit die aneinander liegenden Gelenke später nicht schmerzen
© Safeandbound

Sicherheitsaspekte

  • Kommunikation ist das Wichtigste: Vorher, während und nachher (auch Nein sagen können)
  • Niemals den Sub alleine lassen!
  • Darauf achten, dass die Atmung nicht beeinträchtigt ist
  • Es darf nich zu einer Überhitzung kommen
  • Im Auge behalten, dass es nicht zu Nervenschäden oder Beeinträchtigung des Blutkreislaufes kommt
  • Alkohol und Drogen können die Reaktionsfähigkeit beider beinflussen
  • Immer einen schnellen Ausstieg ermöglichen (Notfall-, Verbands-, EMT-Scheren bereit halten (mit runden Enden))
  • Als Anfänger immer besser nur mit einzelnen Bereichen anfangen
  • Bei Sinnesentzug (Sensory Deprivation) ohne viel Erfahrung langsam vorgehen und als Dom auf Reaktionen des Subs achten
  • Gefahrenhinweise: Blaue Lippen, Blaue oder Lila Nagel-, oder Zehenbetten, Husten, Würgereiz, Schwindel, übermäßiges Schwitzen, blasse oder rote Hautfarbe, schnelles Atmen, Zittern oder Schütteln, undeutliche Sprache, keine Reaktion mehr

(Autor: Michael)

© Safeandbound

Quellen:

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