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Kink Socials – Munich Fetish Men

“Es gibt keinen Grund sich zu verstecken, das gehört zu mir”

Veröffentlicht am 25. Juli 2021


Über die “Kink Socials”-Serie

Während die Corona-Pandemie langsam ihrem Ende entgegen geht, beginnen die Leute wieder, sich persönlich zu treffen. Aber auch jenseits davon ist es für Kinkster eine wichtige Frage, wie man die Balance hinbekommt zwischen echtem sozialen Leben und virtuellem sozialen Leben. Mit all den Artikeln der “Kink Socials”-Series möchte ich ein paar Kink- Social-Gruppen vorstellen, und möchte damit zeigen, dass sie ein wichtiger Teil der Kink-Community sind. Vielleicht führt das dazu, dass woanders noch neue Gruppen entstehen.


© Munich Fetish Men

Im ersten Teil geht es um die “Munich Fetish Men”. Ich führe das Interview mit dem Mitorganisator Andreas.

Hallo Andreas, bitte beschreibe einmal, wie es dazu gekommen ist, dass ihr eure Gruppe gegründet habt
Wir sind eine Gruppe von Freunden, die ehrenamtlich Events organisieren. Die Fetish Pub Crawls in Köln und Frankfurt haben uns super gefallen und da dachten wir, dass wir so etwas auch in München schaffen sollten. Nachdem der Fetish Pub Crawl dann schnell ein Erfolg wurde, haben wir uns mit den Organisatoren des „Munich Leather Social“ zusammengetan, um noch mehr Events zu organisieren und haben sogar ein neues Fetisch-Wochenende für München ins Leben gerufen.

Welche Art von Veranstaltungen macht ihr mit eurer Gruppe?
In unserer Gruppe „Munich Fetish Men“ organisieren wir Fetisch-Events, bei denen das Socializing im Mittelpunkt steht und es nicht primär um Sex geht. München hat eine lebendige queere Szene und ist Heimat des MLC, einem der größten Fetisch Clubs. Wir wollen die Fetisch-Szene innerhalb der queeren Community sichtbarer machen und Räume schaffen, in denen es einfach ist und Spaß macht, Freunde in Gear zu treffen und neue Leute kennenzulernen.
Unser Klassiker ist der „Fetish Pub Crawl“, den wir etwa alle sechs Wochen veranstalten. Wir sind dann meistens eine Gruppe von 40-50 Kerlen in Gummi, Leder, Sportswear, oder anderer Fetischkleidung, die zusammen durch die münchner Bars ziehen. Das macht es einfach, Leute kennenzulernen, weil man durch die Klamotte sofort Teil dieser Gruppe ist. Wir bleiben in jeder Bar für etwa eine Stunde und ziehen dann weiter. So wird es nie langweilig, weil sich die Gruppe immer wieder neu mischt und ständig irgendwas passiert.
Während einer Pandemie ist das Konzept leider nicht so praktikabel. Deshalb haben wir in den letzten Monaten ein paar virtuelle Fetish Socials veranstaltet. Vor ein paar Tagen konnten wir dann endlich wieder eine richtige Fetish Bar Night veranstalten. Wir organisieren auch das Munich Leather Social, bei dem man sich in einer privaten Location trifft. Außerdem hatten wir schon eine queeren City-Tour für Kinkster, eine Tom-of-Finland-Kinonacht und eine Tour durch die Hundeausstellung des Bayerischen Nationalmuseums auf der Agenda.

© Andreas

Wie sehr seid ihr mit anderen Gruppen verbunden und wie stark tretet ihr auch politisch auf?
Wir sind keine politische Gruppe. Wir schaffen Räume und Anlässe, wo man sein kann, wie man ist und die Möglichkeit hat Gleichgesinnte zu treffen. Es ist doch so: Solange man die Rolle erfüllt, die einem der hetero-normative Mainstream vorgibt, kommt man als Schwuler ganz gut durchs Leben – zumindest in München. Rubber und Leder gehören aber nicht zu diesem „Gay Chic“. Unsere Gesellschaft gibt vor offen und frei zu sein, aber viele Menschen finden immer noch, dass das Thema Fetisch irgendwie anrüchig ist. Wer als Fetischkerl seine Sexualität frei auslebt wird schnell in die Schmuddelecke gedrängt und so ausgegrenzt. Das ist der Grund, warum eine lebendige schwule Fetisch-Community so wichtig ist, um den Fetisch als Teil seiner Identität annehmen zu können. Damit man merkt: Es gibt keinen Grund sich zu verstecken, das gehört zu mir.

Wie ist denn die Altersstruktur eurer Mitglieder und eurer Besucher?
Die meisten, die zu unseren Events kommen, sind in ihren späten 20ern bis Mitt-40ern. Aber wir haben auch ältere und jüngere Leute dabei. Es gibt bei uns kein Alterslimit für unsere Veranstaltungen. Die Mischung funktioniert immer recht gut.

Wie geht ihr mit dem Thema Kink und Fetisch im öffentlichen Raum um?
Die Locations sind vorher informiert bevor wir kommen. Wir bitten die Leute keine Masken zu tragen und ihre Kronjuwelen und ihren Hintern zu verpacken weil wir in der Öffentlichkeit sind. Ich weiß, dass unsere Keine-Masken-Policy etwas ist, das einige Pup-Play-Enthusiasten ziemlich nervt, aber wir organisieren soziale Events, um Leute miteinander in Kontakt zu bringen. Eine Maske macht das eher schwierig.

© Andreas

Was würdest du jemandem sagen, der Interesse hat, Aktivitäten eurer Gruppe zu besuchen, aber sich noch nicht so richtig traut, vorbei zu kommen?
Diese Events sind wahrscheinlich der angenehmste Weg in die Fetisch-Szene reinzukommen. Bei uns geht es nicht übermäßig sexualisiert zu und wir schaffen es, ein Zugehörigkeitsgefühl zur Gruppe herzustellen. Also: Zieh einfach etwas Gear an und versuche es! Niemand erwartet, dass man beim ersten Mal von Kopf bis Fuß in Gummi oder Leder erscheint. Such dir etwas aus in dem du dich wohl fühlst und mach mit. Und wenn du dich allein oder unsicher fühlst, wende dich vor oder während des Events an uns Organisatoren. Wir wissen, wie es sich anfühlt, das erste Mal auf einem Fetisch-Event zu sein, und wir wollen, dass du eine schöne Zeit hast. Sei einfach offen für das, was stattfindet.

Das Sozialleben von Kinkstern findet zu einem Großteil auch virtuell statt. Nicht nur seit Corona, sondern auch wegen geografischer Distanzen zwischen einzelnen Kinkstern. Wie ist deine Meinung zu den Vor-, und Nachteilen von virtuellem und realem Sozialleben?
Ich bin ein Fan von Social Media aber es besteht die Gefahr, dass man sich darin verliert. Es ist wichtig die digitale Welt mit der realen Fetisch-Community zu verbinden. Ich finde es einfach schade, wenn ich mitbekomme, wie manche Probleme haben mit der Perfektion, die sie in Apps wie Recon und Instagram sehen. Auf ein Fetisch-Event zu gehen ist in der Regel ein guter Realitätscheck: Triff die Leute mal im richtigen Leben – ohne die perfekte Beleuchtung. Da merkt man, dass es keinen Grund gibt, sich schlecht zu fühlen, weil der eigene Instagram-Account nicht so shiny ist oder man vielleicht weniger Follower hat. Richtige Freunde zu finden, die dich so akzeptieren wie du bist, ist mehr Wert als 20.000 Follower. Aber ich bin, wie ich schon gesagt habe, tatsächlich auch ein Fan von Social Media, weil sie es einfach machen, mit Leuten in Kontakt zu treten, die nicht in deiner Nähe leben, oder etwas über Events oder Gruppen zu erfahren. Aber am Ende möchte ich mich immer lieber treffen, etwas zusammen trinken gehen, und die Leute im echten Leben kennenlernen.

© Andreas

Kannst du beschreiben, wie du festgestellt hast, dass du Kinks und Fetische hast? Gabs es bestimmte Ereignisse?
Es gab da kein bestimmtes Erweckungserlebnis, an das ich mich erinnere. Irgendwie war es schon immer da. Ich mochte es als Kind zum Beispiel ein bisschen zu sehr, Gummistiefel zu tragen. Ich denke man kann sagen, dass sich meine Fetische parallel mit meiner Sexualität entwickelt haben. Als ich als Teenager dann Zugang zum Internet bekam, habe ich schnell die dunklen Ecken entdeckt und so viel über Fetische und BDSM erfahren.

Welche Zukunftspläne habt ihr für eure Gruppe?
Wir wollen mehr Events organisieren, sobald die Corona-Restriktionen zurückgenommen werden und hoffen, dass wir bald zur Normalität zurückkommen die wir vor 2020 kannten. Wenn möglich, wollen wir die zweite Ausgabe des Munich Fetish Weekend im Jahr 2022 organisieren. Drückt uns die Daumen!

Andreas, danke für das Interview!

Informiert euch auf der Website der Munich Fetish Men und folgt Andreas auf Instagram und auf Twitter

Die Fragen stellte Michael


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